Gängelung

31. Oktober 2015
von Jörg

Heute ist vom Wetter her betrachtet ein schöner Tag. Und so befinden sich viele glückliche Motorradfahrer auf der Piste. Und die meisten von ihnen sind glücklich, denn wer einen 10er Bruchstrich (aka Saisonkennzeichen) fährt, der hat es morgen hinter sich und muss sich nicht mehr aufregen.

 
Denn einige Verkehrsbegleiter legen beim Umgang der Gangwahl eine merkwürdige Gangart an den Tag.
Oder anders ausgedrückt: beim Vorgang des Vortriebs kommen sie nicht in die Gänge. Geradzu beim geradeaus Fahren hoffnungslos überfordert. Von so komplizierten Dingen wie Kurven, abbiegen, Verkehrszeichen, Kreisverkehr oder Wahl der richtigen Geschwindigkeit überhaupt nicht zu reden.
Denn: auch der größte Vollhonk soll ja - selbst ohne Talent, Befähigung oder Wissen - am Straßenverkehr teilnehmen können, und zwar sicher.
Und ich merke das, weil ich auf einem Lieblingsstreckenabschnitt in Attendorn fahre, der - früher noch ohne Tempolimit mit 100 befahrbar - auf die immer weiter verbreitete "70" reduziert wurde.


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Geschundene Gegend mit 70 (Attendorn)

 
Warum die Strecke von 100 auf 70 begrenzt wurde, kann ich mir denken. Wie bei vielen anderen Strecken auch, versucht man hier sich auf das Niveau der schlechtesten Fahrer zu begeben. Passieren Unfälle, so muss man die Geschwindigkeit senken. Natürlich für alle, nicht nur für diejenigen, die den Unfall verursachten.
Ich weiß, das klingt abstrus. Schließlich würde man nicht in einer Siedlung die Benutzung eines Hammers verbieten, nur weil sich ein paar auf die Daumen gehauen haben ...
Jedoch erlauben wir uns im Straßenverkehr einen Luxus, den wir uns ansonsten - glücklicher Weise - nicht leisten wollen und vor allem können.
 
Sicher, wer gegen mehr Sicherheit im Straßenverkehr ist, ist entweder ein asoziales A... oder nicht ganz dicht im Oberstübchen. Denn mehr Sicherheit für alle, jederzeit an jedem Ort - das muss doch jedem einleuchten - muss um jeden Preis durchgesetzt werden.

Wenn das also die neuen Verkehrszeichen der Zeit sind, dann will ich mich nicht dagegen stellen.
Man muss sich jedoch klar machen, dass man diese Art der Sicherheit - Sicherheit auch für den größten Vollpfosten jederzeit an jedem Ort - nicht nur auf die Straße beschränkt sein darf. Diese Analogie kann man auch bei anderen Dingen gut anwenden.

Es gibt z. B. Leute, die nicht wirklich fähig sind, lange Sport zu machen. Daher sollte man die Betätigung beim Sport auf max. 30 Minuten gesetzlich beschränken.
Es gibt auch Leute, die mangels Möblierung in der Gedenkhalle hinter den Augen nicht wirklich in der Lage sind, sich mehr als 20 Minuten zu konzentrieren. Daher sollte man alle Arbeiten die mehr als 20 Minuten Konzentration erfordern gesetzlich für alle Verbieten.
Es gibt auch Leute, die können z. B. nicht mit Geld umgehen. Auch da sollte der Staat eingreifen und - der Sicherheit wegen - eine Maximalgrenze für Ausgaben auf 2.000 Euro festlegen. Häuser gibt es dann genauso wenig wie Autos, aber das dient ja dann letztendlich auch wieder nur der Sicherheit.
 
Wie man sieht, es ist gar nicht schwer sich immer an den Unfähigsten zu orientieren. Man muss nur wollen.
Und notfalls muss der Gesetzgeber einfach durchgreifen und entsprechende Verbote aussprechen und somit zwangsweise alle gleichschalten. Vorbei die Zeiten wo jeder darf wie er kann, es lebe die Ausrichtung am Vollhonk!
 
Denn letztendlich dient das ja nur der Sicherheit von uns allen.
Aber das würde eine Ausgangssperre nach Feierabend ja auch. Nur hat das bis jetzt noch keiner gefordert. Noch nicht ...
 

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Glückliche Gegend jenseits der 70 ...

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