Frankreichurlaub, Tag 1

27. Mai 2016
von Jörg

Soll ich - oder nicht? Entgegen der ursprünglichen Planung haben wir in der Firma den Freitag doch als Brückentag.
Verflixt, das hätte ich eher wissen müssen, dann hätte ich den Urlaub mit sieben Tagen so legen können, dass ich zwei Wochen gehabt hätte:
So habe ich die sieben Tage so gelegt, dass nur anderthalb Wochen rausgekommen sind.

 

2016/05/wp_20160527_007.jpg


Der Wetterbericht ist sich nicht einig: es könnte sein, dass es freitags regnet und Samstag vielleicht auch. Ggf. aber auch nicht. Und wo ist auch nicht klar. Vielleicht im Süden, könnte aber auch im Norden regnen. Oder im Süden und Norden. Wenn es denn überhaupt regnet. Es könnte nämlich auch sein, dass es überhaupt nicht regnet. Vielleicht. Prima! Mit solch präzisen Angaben kann man arbeiten ...

Donnerstag ist Feiertag, da ist auf jeden Fall packen angesagt. Ein Tag ist nicht viel: Haushalt in einen verlassbaren Zustand bringen, packen, ein kurzer Geburtstagszwischenstopp steht auch noch an, ...
Freitag dann fahren, oder nicht? Ich würde normalerweise niemals drei Tage fahren. Drei Tage hin, drei Tage zurück, das ist ja schon fast eine Woche die drauf geht. Zwei hin und zwei zurück ist ja noch OK. Aber sechs ist echt zu viel.
Da wir jetzt aber doch noch den Freitag als Brückentag bekommen haben, bietet sich die einmalige Gelegenheit, die Reise mal als drei-Tages Tour aus zu probieren. Zumal die Wahrscheinlichkeit besteht, am Freitag so weit in den Süden zu fahren, dass ich hinter die "Regengrenze" kommen könnte und so trockenen Rades zum Campingplatz gelange.
Also steht der Entschluss zum Experiment fest: ich fahre Freitag los.

Kaum drehen sich die Räder über dem Teer, bekomme ich auch schon die ersten Regentropfen ab. Das Bergische Land weint zum Abschied. Oder vor Freude. Ich weiß es nicht, aber es ist mir auch egal. Das Bergische weint dauernd.
Außerdem nähere ich mich Köln und die kennen so gut wie kein schlechtes Wetter. Und tatsächlich: schon bei der Anfahrt des Rheins scheint mir die Sonne wie vom Dom am Himmel festgenagelt entgegen.

Ich könnte Zwischenstopp in Metz machen, oder etwas weiter südlich in Dijon. Oder aber auch Lyon. Irgendeine Stadt besichtigen.
Ist aber nicht Ziel. Heute geht es um so viele Kilometer wie möglich Richtung Süden, dem Regen möglichst ausweichen. Trotz dessen nur Landstraße, Autobahn ist indiskutabel. Da schläft man ja ein, Langweilig!

Unterwegs treffe ich auf einen VW Bus aus Neuss. Am Heck kleben zwei Räder (Fahrräder), Mountain-Bikes mit einem komischen Kasten am Rahmen. Das müssen eBikes sein. Mountain eBikes? Wie komisch. Wenn der Akku leer ist, muss man das Gewicht in den Bergen doch auch noch mittreten? Wo die beiden wohl hinfahren mögen? Genau wie ich ans Mittelmeer? Was will man sonst mit Mountain Bikes? Eine Zeit lang fahre ich noch überlegend hinter dem Bus her, bis ich mich auch mein eigentliches Ziel besinne. Den Zaubergriff an der rechten Seite gedreht und schon - abrakadabra - zaubert sich der Bus aus dem Visier in den Rückspiegel und ich lasse die beiden (Fahrer und Beifahrer) nicht ohne Gruß hinter mir.

Verdammt, das "Winterfell" wollte ich doch noch vor der Fahrt aus der Motorradhose heraus nehmen. Doof. Denn es ist nicht nur teilweise "recht warm" je weiter der Tag Richtung Süden geht, vor allem ist das (wenn ich die Hose nachher im Hotel in die Tasche packe) wieder ein Liter Stauraum, der geschaffen werden muss bzw. verloren geht. Und ein Liter, dass ist bei Motorradtouren eine Menge!
Egal, weiter Kilometer fressen. Und daher mache ich auch kaum Stopps um Bilder zu machen, obwohl die Landschaft dazu einlädt. Nur hin und wieder bleibt Zeit für einen Stopp, wenn ich an einer Stelle vorbei komme, die ich vor Jahren schon einmal fotografiert habe, damals jedoch auf Grund des nicht eingeschalteten GPS beim Fotografieren die GPS Informationen nicht im Bild veranktert habe. (Siehe https://bergerjoerg.synology.me:725/photo/)
Das hole ich noch schnell nach und weiter geht es ...

Kurz vor Dijon - ich gucke mich so um (macht man während des Fahrens hin und wieder schon einmal), da fällt mir ein Bus auf. Mit zwei komischen Moutain Bikes am Heck die einen Elektroantrieb ... aus Neuss!?
Der Fahrer entdeckt mich im Rückspiegel, dreht die Scheibe runter und winkt mich ran: "fahr hinter mir her, ich habe Navi, ich führ dich!". Die beiden wollen auch ans Mittelmeer. Nur etwa 100km weiter als ich, nach Perpignan.

712,7 km sind es am Ende des Tages, als ich mir nach knapp 11 Stunden Fahrt ein Hotel aussuche: Le Charollais. Scheinbar werde ich doch entgegen aller Erwartungen älter, denn irgendwie bin ich froh den Rucksack vom Rücken zu bekommen und für den Tag Pause zu machen.
Aber: ich bin - von ein paar Tropfen irgendwo zwischen hier und da abgesehen - trocken durch den Tag gekommen.

Kaum ausgesprochen höre ich etwas, was meine Augen bestätigen: es fängt an zu regnen. Also decke ich erst die Maschine zu ... und anschließend mich.

Stichwörter: ,

zu "Frankreichurlaub, Tag 1"