Frankreichurlaub: Hoch und Rhone-terre

28. Mai 2016
von Jörg

Ich verlasse das Hotel mit dem Ziel Mittelmeer. Nachts hat es geschüttet, was ich als gut beurteile.
Denn alles was in der Nacht schon abgeregnet ist, kann nicht mehr während der Fahrt regnen. Einfache Logik, aber funktioniert.
Die vermeintliche Regengrenze habe ich hinter mir gelassen, also ist das Ziel nicht mehr das Kilometerfressen. Stattdessen kann ich es ruhig angehen lassen, die Reservierung auf dem Campingplatz habe ich ja erst für in zwei Tagen.

 

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Daher kombiniere ich zwei Ziele in der heutigen Tour: 1. weiter Richtung Mittelmeer, 2. das Ziel so platzieren, dass ich am dritten Tag (wenn es zum Campingplatz geht) vorab noch direkt die geplante Tour durch die Camargue drehen kann - mit Ziel Campingplatz.
Also fahre ich die am Vorabend im Hotel grob geplante Route ab. Es geht durch die Rhone Gegend. Grandios. Aber nur dann, wenn man Landstraßen mit Kurven mag, ansonsten eher nicht.
Ein Festmahl für die Augen und für Motorradfahrer. Kurve gesellt sich an Kurve, selten habe ich so eine fulminante Anfahrt zu einem Ziel gehabt. Kann man nicht beschreiben, muss man selber erfahren.

Doch bekannter Weise ist nicht alles was glänzt auch goldig.
Das kommt raus, wenn man dem Navi sagt, dass man über Land fahren will: Abenteuer!

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Doch dann sagt mir das Navi doch tatsächlich, ich solle auf den Weg nach links abbiegen.

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Nach LINKS? Diesen "Weg"?

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Tatsächlich. Er meint "den Weg" links!

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Ich dann so zum Navi: "Danke, zu viel Abenteuer. Du kannst mich mal. Ich nehme den Weg rechts."
Und siehe da, ich hatte Recht. Viiiieeel besser!

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Als sich das Motorrad abends beschwert, dass es nun doch endlich Zeit wäre für heute Schluss zu machen gebe ich schweren Herzens nach und mache mich an die Suche nach einem Hotel und werde irgendwann (das nächste Hotel, egal welches) fündig.
Le Bernon (http://www.lebernon.fr/). Ein Doppelzimmer (Einzelzimmer gibt es mal gar nicht): ab 40 Euro.
Gut, dann darf man auch nicht so viel erwarten und diese nicht Erwartung wird auch prompt erfüllt.
Trotzdem bleibt irgendwie die Frage: wie können die sich so halten?
Doch auch diese Frage wird prompt beantwortet, als ich auf die Frage, ob ich denn nachher im dem Restaurant, welches dem Hotel angeschlossen ist eine Kleinigkeit zu Abend essen möchte.
Ich möchte. Wollte. In einem Hotel, in dem ein Doppelzimmer für 40 Euro bekommt, wird ja wohl auch eine Kleinigkeit erschwinglich sein...
Nach Dusche und ein wenig mailen und skypen auf dem Hotelflur (denn bis in mein Zimmer ganz am Ende des Ganges will das Signal nicht durch, auch nicht unter der Tür) betrete ich betreten das Restaurant.
Nachdem man mir meinen Tisch zugewiesen hat, sehe ich mich um und erblicke zwei weitere belegte Tische. Wie können die sich nur halten?
Die Bedienung kommt, die Karte auch und als auch das "amuse gueule" kommt, kommt mir auch was: und zwar die Wahrheit, warum sich Le Bernon so halten kann.
Die Karte offeriert die Vorspeisen, und mehr als einen Salat möchte ich auch nicht. Nicht mehr. Ein Salat für 22 Euro. Und der Blick bleibt auch bei den Vorspeisen hängen, weiter lesen möchte ich auch nicht.
Dazu nehme ich dann direkt eine ganze Flasche Mineralwasser für 6 Euro, auch edel. Jedoch habe ich heute bisher nur 1/2 Liter unterwegs getrunken, da muss einfach noch was rein. Und sechs Euro ist jetzt auch nicht so viel teuer als zu Hause im Restaurant.
Doch als der Salat kommt, nehme ich alles zurück. Ein "internationales" "wow" entrinnt mir, die Bedienung lächelt. Und ich muss gestehen: ich habe noch nie im meinem bisherigen Leben einen solch leckeren Salat gegessen. Perfekt, von A bis Z.
Das Fleisch, welches auf dem Salat liegt ist ultrazart und genau auf den Punkt, innen leicht rosa. Die Scheibe Pastete mit Feigen schmilzt auf der Zunge. Das Dressing hat jemand gemacht, der weiß wie es geht. Und über alle Punkte bis hin selbst zu den einfachen Salatblättern: die schmecken, als wären sie gerade im Garten geschnitten worden. Frisch, knackig und ganz intensiv nach Salat schmeckend. Bioware oder noch besser.
So genieße ich also Bissen für Bissen mit teilweise geschlossenen Augen. Der Salat ist tatsächlich 22 Euro wert!
Während ich die Augen hin und wieder öffne um Verletzungen bei der Benutzung der Gabel zu vermeiden, wird mir auch die Bedeutung des Restaurants klar: mit jedem Wimpernschlag füllt sich Tisch um Tisch, bis das Restaurant vollkommen ausgefüllt ist.
Jeder Tisch ist besetzt und die Leute bestellen. Reichlich. Ein kleiner Blick nach dem Essen über den Parkplatz lässt meinen Verdacht erhärten: hier parken Leute, die durchaus gewillt sind weiter für ein gutes Essen zu fahren und denen der Preis auch nicht so wichtig zu sein scheint.
Verdammt, ich habe eine Insidertipp gefunden.
Zum Abschluss nehme ich dann noch einen Kaffee zum Abschluss (zu Deutsch: Espresso) und bezahle für Salat, Wasser und Kaffee 30 Euro. Das ist irgendwie mehr als ich ursprünglich geplant hatte - aber im Urlaub lernt man eben auch mal neues kennen. Sonst könnte ich ja auch mit dem Arsch zu Hause bleiben.
Daher mache ich mich nach dem Besuch des Insider-Restaurants inside my room. Morgen geht es schließlich/endlich zum Campingplatz.

Updates der Bilder gibt es unter https://bergerjoerg.synology.me:725/photo/

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