Frankreichurlaub: Lied und Leid

1. Juni 2016
von Jörg

Der Tag heute beginnt - abgesehen vom Wein - so, wie der gestrige geendet hat: mit Deluxe, Essen und Regen.
Wettervorhersager müssen doch zusammen mit Bankern und Managern zu den bestgehassten Berufen dieser Welt gehören. Für den Regen können sie freilich nichts, aber für die Planbarkeit durch ihre Vorhersagen. Goldman Sachs und BER müssen doch lachen, wenn sie Wetterberichte lesen. Endlich jemand, der ihnen den Rang abläuft ...

 
Das Frühstück heute fällt deutlich größer und länger aus: Ei, Apfel, Joghurt, Croissant, verschiedene Käsesorten, Orangenmarmelade, eingelegte Gurken, Baguette, Croissant, Tee, Kaffee, Wasser.
Dazu trommelt der Regen die Melodie von "Don't worry - be happy" auf das Dach des Wohnwagens.
Angeblich liegt ja in der Ruhe die Kraft - als warte ich kräftig, bis der Regen kräftig abgenommen hat und der Wind die nassen Straßen trocken geblasen hat. Ja, ja. Ich weiß, es heißt "es gibt kein schlechtes Wetter - nur schlechte Kleidung". Jedoch waren genau das auch die letzten Worte der Dinosaurier ...

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Je später der Tag wird, desto kürzer muss der Ausflug werden. Das, kombiniert mit der Voraussage, wo das beste Wetter sein wird. Im Norden, Osten oder Westen. Südlich von Vias kann es nur noch nasser werden.
Also entscheide ich mich für die Tour "12": Monts de Lacaune (282 km brutto) durch den Naturpark Haut-Languedoc (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Regionaler_Naturpark_Haut-Languedoc#Monts_de_Lacaune). Außerdem soll laut Wetterbericht am Startpunkt (Lodève) schönes Wetter sein - also kein Regen.

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Gegen 11 Uhr starte ich den Motor und rolle langsam los. Die ersten Kilometer geben sich auch brav und der Weg korrespondiert mit dem Himmel: trocken, sauber, fahrbar.
Je weiter es geht, desto besser wird der Weg - wobei mit "besser" jetzt "Motorrad besser" gemeint ist. D. h. griffiger, franzöischer Asphalt trifft auf massig fette Kurven, alternierend und teilweise eng geschnitten. Erneut ein Festmahl aus Teer und Stein.

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Doch die Höhe fordert ihren Tribut: ich treffe auf Wolken. Und genau wie der Wetterbericht gesagt hatte: es regnet nicht, es nieselt! Temperaturen bis sogar unter 12 Grad lassen die Feuchtigkeit hoch droben kondensieren und eine Mischung aus Nebel, Kälte und Nieselregen verwandelt das Helmvisier von innen und aussen in ein gigantisches Facettenauge. Eine Libelle mag damit furios ihren Weg finden können, doch leider geöre ich keiner mir bekannten Libellenart an. Zudem bekomme ich noch ein weiteres Problem: zwar kann ich die nasse Kälte an den Fingern mit einem Knopfdruck wegheizen (Heizgriffe im doppelten Sinne), jedoch scheinen die Straßen hier oben relativ neu zu sein. Der Asphalt ist dunkel, fast tiefschwarz und noch etwas wie ölig. Dazu die Nässe vom Niesel die den Asphalt noch dunkler färbte ... oder wie man beim Motorradfahren sagt: je "dunkler" desto "rutsch". Also war eine deutliche Temporeduzierung angesagt.
Und während mir dieser Gedanke so durch den Kopf ging, fiel mir wieder das Paradoxon der französischen Straßen auf: während viele, schier endlose Geraden sich in etlichen 90/70/50 Zonen unterteilen (was die Sache übrigens meiner Meinung nach nicht einfacher oder besser macht, ich muss mich ziemlich konzentrieren wenn ich über hunderte von Kilometern sicher sein will , ob ich gerade in einer 90er/70er oder sonstigen Zone bin, die wechseln einfach zu häufig), so sind die Berge doch überwiegend ohne Tempolimit mit "90" zu geniessen. Und das wiederrum selbst an Stellen, an denen man nur dann 90 fahren sollte, wenn man in nächster Zeit bekocht werden möchte oder vorhat das Essen zukünftig sowieso komplett ein zu stellen.
Wie schon erwähnt: gerade drunten im Tal haben häufig 70/50 ... verrückte Welt!

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Die andauernde Nässe und Kälte lässt mich von meiner geplanten Router nach noch nicht einmal der Hälfte abweichen und ich setze mich wieder in trockener Gefilden und suche den Weg nach Hause. Das sind immerhin doch auch noch 98km, die immer wieder von Sonne und Regen begleitet werden.

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Das Abendbaguette besteht dann wieder aus kalter Küche, doch durch die Kälte in den Bergen ist mir nach etwas Warmen. Also mache ich mich noch einmal auf ins Dörfchen, um die Zutaten für etwas omeletteartiges zu kaufen - dabei kann ich direkt einen neuen Spar testen und mir das Angebot mal ansehen.
Neben den Eiern und der Milch landet dann auch noch eine Tüte Chips und etwas hochprozentiges in derTüte (wie ist das nur da rein gekommen).

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