Motorradfahrer: Aktien kaufen!

19. Juli 2016
von Jörg

Es sind Betriebsferien! Zwei Wochen lang garantiert keine Anrufe (aus der Firma), stattdessen aber (bisher) sommerliches Wetter und Zeit zum Fahren!
Doch natürlich gibt es da Leute, die einem das Fahren vermiesen wollen. Und diese Leute sind u. a. für die Straßenplanung zuständig.

 
Also, ich beschwere mich jetzt nicht prinzipiell darüber, dass mal an den Straßen gearbeitet wird, für die ja auch Steuergelder bezahlt werden. Und ich spreche jetzt auch nicht über die vielen Baustellen, die natürlich jetzt gerade zur Ferienzeit aus dem Boden schießen wie Pilze aus einem nassen, warmen, schimmeligen Brot. Denn natürlich nutzt man gerade die Ferienzeit, um den ansonsten noch größeren täglichen Berufsverkehr zu entlasten. Und ich spreche ebenfalls nicht über die Vollsperrungen von Straßen (wir bauen hier - es gibt keine Umleitung, sieh doch selber zu wie du klarkommst) und auch spreche ich nicht über die Dauervollsperrungbaustellen wie z. B. die B256 bei Waldbröl die jetzt bald ihre zwei Jahre (!!!) hinter sich hat (es könnte aber auch noch ein drittes werden) jedoch mit nur 20km Umweg wenigstens eine Umfahrung ausgeschildert hat ...

Nein, das Elend fing heute nahe der Haustüre an. Nein, auch nicht die vier Baustellen an denen nun Glasfaser für ein schnelleres Internet an der Straße entlang verbaut wird - da bin ich ja dankbar für. Und auch nicht die riesige Baustelle direkt in der Stadt, in der Stromleitungen verbaut werden. Nein, ich spreche von der Straße etwas weiter dahinter. Diese Straße war seit Jahren eher ein Lochstreifen denn eine Straße. Und deswegen hatte man diese Straße mit optimistischen "70" gekennzeichnet - schließlich sind 100 bei den Löchern zu gefährlich. Nachher kommt noch jemand zu Schaden und verklagt eine öffentliche Stelle, weil die nicht gehandelt haben. Also schnell - bzw. langsam - "70" aufgestellt und die Situation ist gerettet.
Mit dieser recht kostengünstigen Lösung hat man dann auch lange leben müssen ... können dürfen.
Doch - oh Wunder - irgendwann wurde doch tatsächlich eine Baustelle eröffnet und ... asphaltiert. Ist schon länger her, gefühlt irgendwas zwischen einem dreiviertel und halben Jahr.
Doch - nachdem die Straße neu asphaltiert war - nahm man die Schilder "70" nicht weg. Vermutlich, weil sie dort gut hingen, sich die Menschen und Tiere schon dran gewöhnt hatten und sie außerdem sehr dekorativ ja doch die Gegend verschönern. Vom Umweltschutz mal ganz abgesehen ("Kann denn nicht wenigstens einer an die Umwelt denken!"). Nur konnte man ja jetzt nicht mehr behaupten, dass es an der schlechten Straße liegen würde, daher musste man dann neue Schilder unter die "70" hängen, die stolz behaupten konnten: "Neue Fahrbahndecke". Schließlich hatte man so viel Geld ausgegeben, da muss man die Leute dann ja auch mal drauf hinweisen. Und zwar eine ganze Zeit lang!

Vermutlich fingen diese Schilder doch an zu rosten und so neu ist die neue Straße ja nun auch nicht mehr. Sie hat zwar keine Schlaglöcher, aber mit "neu" ist eben nichts mehr. Daher musste man nun die Schilder entfernen. Jedoch nur "Neue Fahrbahndecke" - die "70" sind geblieben. Stattdessen hat man neue Schilder gekauft und diese unter die "70" gehängt: "Markierung fehlt" (=fehlende Fahrbahnmarkierung). Wie unglaublich innovativ! Natürlich hätte man für das Geld auch statt neuer Schilder vielleicht eine Fahrbahnmarkierung anbringen können. Aber wie schon gesagt: die Tiere hatten sich ja schon dran gewöhnt ...

Aber von so etwas sollte man sich nicht die Tour vermasseln lassen. Vielleicht von den weiteren Baustellen und Vollsperrungen, die einen zu ein paar Kilometern Umweg verhelfen, aber das habe ich dann heute einfach mal unter "Erkundung der Heimat" verbucht.

Dabei konnte ich dann auch noch drei weitere Tempolimits verbuchen: 1x Tempo 40 (Kurve, dahinter Häuser, ehemals Tempo 100), 1x Tempo 50 (Kurve, dahinter Häuser, ehemals Tempo 100) sowie eine vergrößerte Tempo 70 Zone vor einem Steinbruch (auch ehemals Tempo 100).

Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass jede Begrenzung von Geschwindigkeit doch nur der Sicherheit dient. Aber das würde eine Ausgangssperre schließlich auch, und die ist (bis jetzt) auch noch nicht eingeführt worden und wird hoffentlich wohl nie verlangt - obwohl es doch auch nur der Sicherheit dienen würde.
Als Gegenargument zur Ausgangssperre würde manch einer jetzt wohl anführen, dass ein Tempolimit - im Gegensatz zur Ausgangssperre - nicht nur einen selbst, sondern auch andere schützt. Stimmt. Dann fordere ich ein Alkohollimit von max. 1/2 Liter Bier pro Tag und Person. Denn da einige Menschen nach dem Genuss von Alkohol aggressiv werden, schützt auch das sie selbst und dritte.
Allerdings befürchte ich, dass eine solche Forderung niemals durchgesetzt wird, da es mehr Säufer als Motorradfahrer gibt.

Wie dem auch sei, es gibt immer mehr und mehr Tempolimits. Und vor allem die Tempo 70 Zonen nehmen deutlich mehr als alle anderen zu. "70" ist ja auch näher an "50" als "80" - damit wären die meisten einfach hoffnungslos überfordert. Einen Tacken schneller als normaler Stadtverkehr ("50") ist einfach sicherer, auch draußen auf dem Lande. Mitten im nirgendwo. Immer schön vorsichtig!

Und daher mein Tipp: Motorradfahrer kauft euch Aktien! Denn irgendjemand muss sich doch an diesen ganzen Tempolimit Schildern eine goldene Nase verdienen. Vielleicht auch irgendein Verwandter irgendeines Beamten bei der Straßenplanung oder eines örtlichen Politikers. Aber wenn man dann schon als Motorradfahrer nichts von der durch Tempolimit reduzierten Straße hat, kann man sich wenigstens an den Aktien der "Wir-drucken-die-ganzen-70er-Schilder" Gesellschaft erfreuen!

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