Sakrileg

14. Oktober 2016
von Jörg

Nein, damit ist nicht das Buch von Herrn Brown gemeint, das Sakrileg habe ich selber begangen: ich habe ein neues Bike! Doch es ist noch nicht einmal ein Cruiser. Auch nicht ein Chopper oder gar ein Custom-Bike. Nein, viel schlimmer. Es ist ein ...

 
... eBike - genauer gesagt ein "Pedelec"! Also so ein Ding, was ohne eigene Muskelkraft nicht fährt. Ein Trampeltier, welches mir bis jetzt immer zu wenig Kraft hatte. Doch nun hat es sich geändert. Und "Schuld" daran ist mal wieder die Firma.

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Denn die neueste Idee den Mitarbeitern etwas Gutes zu tun, ist die Teilnahme der Firma am Projekt "Jobrad". Kurz gesagt geht es darum, dass man ein Fahrrad über die Firma least und mit vorversteuertem Geld zinslos (aber eben zusätzlicher Steuerersparnis) über 36 Monate langsam in seinen Besitz übergehen lässt.
So kann man nicht nur eine größere Summe bequem auf drei Jahre verteilen, es ist auch (je nach Steuerlage) durchaus möglich einen Tausender(!) beim Fahrradkauf zu sparen.
Wer sich die Möglichkeiten einmal selber ausrechnen möchte was Jobrad für ihn bedeutet, kann das auch dieser Seite hier tun: https://www.jobrad.org/vorteilsrechner (Wichtig: den "Expertenmodus" einschalten, damit die Angaben zur Steuerklasse, Anzahl Kinder, Bundesland, ... eingetragen werden können).

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Nachdem freitags "Jobrad" in der Firma vorgestellt wurde, war ich auch schon am nächsten Tag bei einem Fahhradhändler. Direkt danach war ich im Web - mich weiter über das Thema informieren, einlesen (worauf muss man achten, Tipps von Leuten die schon ein Pedelec haben, ...). Auf die Empfehlung zweier Arbeitskollegen hin (ich habe sie auf der Transalp-Tour 2016 mit dem Wohnmobil begleitet - die beiden können also fahren und haben Ahnung) habe ich dann einen weiteren Fahrradhändler aufgesucht und dort konnte ich dann auch nach der Beratung mit dem mir empfohlenen Rad eine Probefahrt machen.

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Und da war es wieder: die ersten Meter eBike waren wie damals die ersten Meter mit dem mBike (Moto-Bike, der K13): ich hatte das "Mona-Lisa Grinsen im Gesicht".
Denn 60Nm sind für 23Kg Fahrrad schon eine Menge Holz, bzw. Drehmoment. Oder mal etwas genauer in Zahlen ausgedrückt: während beim Motorrad 140 Nm 235 Kg bewegen müssen, brauchen die 60 Nm vom Fahrrad nur 23 Kg bewegen. D. h. beim Motorrad trifft jedes Nm auf 1,67 Kg, beim Fahrrad bewegt jedes Nm hingegen nur 0,38 Kg. D. h. der Fahrradmotor ist um den Faktor ~4,4 überlegen. Dabei muss man zusätzlich bedenken, dass ein Elektromotor Kraft ab der ersten Umdrehung hat, ein Verbrennungsmotor braucht da erst einmal ein paar Tausend Umdrehungen um die gewünschte Leistung abgeben zu können! Also: gekauft!

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Sparen ist jetzt so nicht angesagt. Selbst wenn ich täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren werde (was bei Schnee und Eis sicherlich nicht der Fall sein wird), kann ich durch das eingesparte Benzin den Kaufpreis des Pedelecs nicht wett machen.
Aber es geht mir ja auch um die Kombination Umweltschutz, Bewegung und gleichzeitig ein bisschen sparen. Gerade als Diabetiker ist der Part "Bewegung" nicht schlecht. Auch wenn ich (faule Socke) mit einem Pedelc mich natürlich nicht so viel bewege wie mit einem normalen Rad: aber mit einem Pedelec mache ich es überhaupt erst einmal. Mit der Zeit werde ich dann sicherlich auch die Unterstützung des Elektromotors immer weiter nach unten begrenzen, weil ich ihn immer weniger brauchen werde. Sollte dann eine Steigung kommen, kann ich ihn ja immer noch wieder zuschalten.
Und auch die Zeit, die mich bisher immer vom "ich sollte mich mal mehr bewegen) abgehalten hat gibt es so nicht mehr. Bei der täglichen Fahrt ins Büro brauche ich kaum länger als mit dem PKW, denn die 6,6 km zur Arbeit kann ich fast vollständig durch den Wald und die Parkanlage der Stadt hinter mich bringen und kann so fast alle Ampeln umgehen die mich morgens dank etlicher "ich will nicht zur Arbeit - ich bin noch so müde - ich möchte noch schlafen - ich habe keine Lust" Leute vor mir am meisten Zeit kosten. PKW: 10 bis 15 Minuten, Pedelec: 20 Minuten. So geht die Zeit zu täglichen Bewegung in die Fahrt von und zur Arbeit unter. Perfekt kombiniert!

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Gestern war dann alles fertig und das Fahrrad abholbereit beim Händler. Also nach Feierabend direkt ab zum Händler und das Trampeltier nach Hause geholt mit anschließender Probefahrt zur Firma, damit ich genau weiß, wie lange ich am Montag zur Arbeit brauche (= wie viel früher ich zu Hause los muss). Das - wie schon oben erwähnt sind aber so ~10 Minuten, also nicht die Welt.

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Da die Firmeneinfahrt schon abgeschlossen war, habe ich dann kurzer Hand das Rad einfach ins Foyer mitgenommen und dort stehen lassen. Und - wie konnte es anders sein - kurze Zeit später kamen Chef und Chefin nochmals in die Firma und "stolpern" über mein Fahrrad im Foyer.
Nach ein paar anerkennenden Worten (schickes Teil, sieht gut aus, bist wirklich du damit gekommen, wie fährt es sich ...) konnte sich der Chef natürlich eine Bemerkung nicht verkneifen:
"Jahrelang hast du das Image aufgebaut: Ich mache keinen Sport. Ich bewege mich nicht. Ich fahre kein Fahrrad. Und dann ist das innerhalb weniger Sekunden einfach so zerstört!".

Ja, genau. Danke dafür!

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