Ende eines Klassikers

1. Januar 2017
von Jörg

Das Fahrtemperament eines Lamborghini (0-100 in 2,9s) mit der Bequemlichkeit eines Mercedes (Koffersystem, Sitz, Superbike-Lenker, ...) zum Preis eines Fiat 500 (damaliger Neupreis ~15t), das gab es noch bis gestern bei BMW: die K 1300 R, oder kurz K13R.
Doch seit heute gilt die EURO4 und somit wird es die K13R nur noch als Oldtimer geben, denn die K13R bringt es leider nur auf EURO3 ...

 
Sporttourer sind auf dem Rückmarsch, schon lange. Diese eierlegenden Wollmilchsäue sind nicht mehr gefragt. Statt dessen ziehen die Zulassungszahlen andere Kategorien an, von denen für mich irgendwie keine einen echten Reiz darstellt ...
Sortieren wir nach Sinnfreiheit und fangen mit der schlimmsten Kategorie an.

Sportler/Supersportler
Tja, da wären so Maschinen (und das ist wirklich der passende Name) wie z. B. Hayabusa, S1000RR oder Ducati 916. Wirklich schöne Dinger, wenn man entweder a) 100km mit Höchstgeschwindigkeit über die Autobahn preschen will, weil man festgestellt hat, dass man im Centro seine Bankkarte vergessen hat oder b) einen plausiblen Grund sucht seinen Lieblings-Physiotherapeuten wieder Umsatz zu bescheren.
Für einen schnellen, wilden Ritt auf der Gerade sicherlich die erste Wahl. Wenn man aber was Anderes möchte, doch eher nicht.
Ich werde nie vergessen wie wir mal zwei Haya Gastfahrer bei einem Ausflug dabei hatten. Am Anfang der Tour stellten sie sich ganz vorne in die Gruppe (die schnelleren Fahrer kommen (bei "unserer" Fahrweise) nach vorne). Im Laufe der Tour wurden sie nach hinten durchgereicht. Und sicherlich wären sie auch vorne geblieben, wenn es um schnelle Langstrecke auf der Autobahn gegangen wäre. Doch bei Touren um Talsperren mit vielen engen Kurven sind Sportler und Supersportler eben i. d. R. nicht die optimale Wahl.

Cafe-Racer
Wer nicht viel Zeit auf das Motorradfahren verwenden will oder kann, für den sind die Cafe-Racer natürlich schick. Rauf auf den Hobel, den Startet drücken, optisch möglichst cool zum nächsten Bikertreff, dort kurz für ein Stündchen verweilen während die Sonne dafür sorgt, dass das Objekt der Begierde im Sonnenlicht gut sichtbar steht und nicht allzu sehr auskühlt und dann aber auch wieder zurück.
Hat aber auch Vorteile, denn irgendwann kann die Bestellung in ein "wie immer" wechseln, denn wer sich max 1 bis 2 Stündchen von zu Hause aus entfernt, der hat eben bald alles er- und abgefahren.

Luxustourer
Und da wären dann auch noch die rollenden Sofas wie z. B. die Goldwings. Tja, wie kann man da einen passenden Vergleich finden? Man stelle sich vor, es regnet und man muss vor die Türe. Jedoch nimmt man nicht einen Regenschirm, sondern direkt das Vorzelt des Wohnwagens - selbstverständlich inklusive dem gesamten Interieur, also mit Stühlen, Tisch und Gaskocher, Heizung, Stereoanlage und Flutlichtanlage.
Für meinen Geschmack "oversized". Ein wenig.

Reiseenduros
Oh, je. Die SUVs unter den Motorrädern. Nicht, dass jemand die Eigenschaften des Fahrzeuges vollständig nutzen würde. In der Stadt braucht man selten Allrad, meistens noch nicht einmal Winterräder oder Schneeketten, die Bodenfreiheit wäre sinnvoll, wenn man denn mal quer über den Bürgersteig fahren wollte, aber wenn man sich ein wenig von dem "Dreck aus der Dose" auf das Gefährt schmiert um zu zeigen, wie abgelegen man sich durch die tiefsten Tiefen des Fahrzeugzubehörs im Einkaufszentrum gekämpft hat, weiß man wofür man so ein Fahrzeug braucht, auch wenn man es nicht braucht.

Was also tun, wenn irgendwann mal das Motorrad den Weg allen Metalls geht und etwas neues ansteht?
Keine der Kategorien ist so reizvoll, keine Maschine so perfekt passend wie die K13R.
Und auch wenn ich bisher schon mit Fahrern mit Maschinen aus jeder dieser Kategorien fahren durfte und immer wieder feststellen musste, dass wirklich gute Fahrer scheinbar in der Lage sind mit einem fest angekettetem Mofa davon zu fahren, so mag ich trotzdem nicht die Kategorie wechseln, ja noch nicht einmal die Maschine.
Hätte ich genug Geld, ich hätte mir noch schnell letztes Jahr ein gutes Dutzend Maschinen gekauft und sie einlagern lassen. Dann müsste ich mein Leben lang nichts Anderes mehr fahren. Auch wenn dann Neuerungen wie z. B. das Kurven-ABS an mir vorbeigehen würden, ich will trotzdem nichts anderes.
Auch wenn man mit anderen Maschinen fahren kann, so kann man ja auch mit einer Colaflasche einen Nagel in die Wand schlagen, doch das richtige Werkzeug ist ein Hammer. Und genau das ist die K13, ein Hammer!

Und das ist ja nicht nur meine Meinung, sondern auch hier, hier oder auch hier. Und selbst Frauen schmelzen bei diesem Traumgefährt dahin.

Aber es ist vorbei. Irgendwann in der Zukunft, wenn alles vollelektronisch gesteuert, selbstfahrend und ökologisch-ökonomisch durchdacht ist, werden wir an diese sinnlosen Zeiten zurückdenken ... und grinsen.

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