Sehr südländisch

19. April 2017
von Jörg

Nachdem ich also keinen neuen Reifen gekauft habe, verschiebe ich die >300km Tour zum Pont du Gard reifenschonend mal wieder auf ein kommendes Jahr. Stattdessen gibt es eine Kurztour nach Sete - dem "Klein Venedig des Languedoc".

 
Und in der Tat, die Stadt (wenn man mal die Umgehung am Industriehafen zur Durchquerung der Stadt ignoriert) sehr südländisch. Mit Gondeln hat es allerdings weniger zu tun, mehr mit sehr, sehr kleinen Gassen und starken Steigungen. Mit Straßen, die teilweise so eng sind, dass ich hoffe, dass mir niemand an dieser Steigung entgegen kommt. Den erstens ist es sehr steil und das anfahren wird sicherlich nicht einfach und zum zweiten habe ich auch noch die Koffer an der Maschine und es ist sehr eng. Papier kann man in diesen Straßen teilweise nur hochkant transportieren. Und natürlich: es kommt ein Transporter. Und natürlich: der Ärmste hat es bergrunter ja auch so schwer, dass er einfach frohen Mutes rollen lässt, mich berghoch ausbremst und sich artig dafür bedankt, dass ich es ihm so einfach mache. Hatte ich schon erwähnt, dass es sehr steil und sehr eng ist?
 
Alles hat seinen Preis, und so bin ich dafür nach wenigen Metern berghoch auf dem Gipfel von Sete und kann photographisch mir einen Überblick verschaffen. Und noch einmal wird klar: klein Venedig bezieht sich weniger auf die Kanäle, als mehr auf die Gassen. Sete ist sehr südländisch. Ist aber auch klar, noch südlicher und man bekommt nasse Füße: oder anders ausgedrückt: es geht nicht südlicher.
 
Die engen Gassen bedingen natürlich, dass viele Straßen Einbahnstraßen sind, zwei Fahrzeuge nebeneinander würde nämlich dann nur noch passen, wenn es zwei Roller oder Motorräder sind. An Autos ist nicht zu denken. Und das ist wohl auch der Grund, warum hier so viele Roller unterwegs sind: sie sind kleiner, wendiger und haben Automatik. An den Steilhängen und Gassen sehr praktisch. Schaltgetriebe fährt hier wohl nur derjenige, der bei SM vor allem auf das M steht.
 
Hoch, runter, rechts, um den Block, wieder zurück ... auf der Straßenkarte sah das alles sehr viel einfacher aus. Ich breche die Tour ab und fahre direkt zum Hafen.
 
Und auch der Hafen ist irgendwie anders, als ich ihn erwartet habe. Schwebte mir doch eher so eine kleine Hafenstraße mit Cafés und Restaurants wie Grau-du-Roi vor, ist es hier ... irgendwie anders. Statt vieler Hafenrestaurants, in der ich mir einen Pastis genehmigen könnte, gibt es viele Boote und millionenschwere Katamarane mit den entsprechenden Hotels, aber eine Hafenszene scheint es hier nicht zu geben.
 
Macht nichts, das ist eben so. Also zurück zum Wohnwagen. Der französische Wurstsalat benötigt schließlich auch mehr Zeit als die anderen Essen, und so schnibbel ich mit der richtigen Musik im Hintergrund (https://www.youtube.com/watch?v=tiRZ7YQKUgQ) meditativ mediterran an meinem Essen. Zum Salat gibt es Vollkornbrot mit Schafskäse, als Nachtisch den Rest Melone zusammen mit dem obligatorischen Glas weißen Bordeaux.

Heute war im Übrigen Bergfest: schon mehr als die Hälfte des Urlaubs ist vorbei, die Abreise musste angekündigt werden. Noch einen Tag und dann fängt auch schon das Packen für die Heimreise an. Wenn ich denn überhaupt nach Hause darf. Wenn es schneit, darf ich nicht fahren!
 

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