Beauty-Day

22. Juli 2014
von Jörg

Heute soll(t)e es ja regnen. Und zwar richtig. Richtig viel. Also plane ich einen Beauty Tag ein: Chips, Erdnüsse, TV.
So weit die Planung. Und während des Frühstückbuffets zeigt sich, dass der Tag auch genauso verlaufen werden wird ... würde, könnte ... sollte. Es regnet, dass ich sogar Mitleid mit den Kühen vor dem Hotel bekomme. Doch auch ich bekomme mein Schwarzwaldwasser noch ab.

 
Da ich den Urlaub ja in der Regel dazu nutze Dinge zu tun, die ich ansonsten im Alltag nicht machen kann nutze ich den Regentag um die Chips, die Erdnüsse und die anderen Dinge vorm TV zu vernichten. Und auch im TV läuft - anders als sonst bei mich - eine amerikanische Serie. Was solls, ich habe Urlaub. Ich darf das.

Nach "Cold Case" kommt "Lost" oder so ähnlich und während die erste Tüte sich schon halb leer / noch halb voll ist, schweift mein Blick nach draußen. Dort wo es ... halt, es regnet nicht mehr! Es nieselt nur noch leicht. Zwar ist es schon elf Uhr, doch scheint Petrus ein einsehen zu haben und das Wetter entwickelt sich wie gestern: von wegen Regen, Wetter um die Gegend zu erkunden!

Da ich darin geübt bin, mir immer zwei Programme für den nächsten Tag zu legen, habe ich außer dem "vernichte den Knabberkram bevor das TV Programm zu Ende ist" auch noch Tagestouren herausgesucht. Die sind auf dem Navi schnell mit einem Tastendruck aktiviert, ich springe in die Motorradklamotten und starte die Maschine. Mit elf Uhr ist es schon recht spät, aber egal. Yeahaa!

Freilichtmuseum Vogtsbauernhof Gutach
Vorab: ich liebe Freilichtmuseen. Bei jedem Besuch fühle ich mich in die Vergangenheit zurück versetzt. Keine Ausstellung kann auch nur annähernd das Flair vermitteln, das man bekommt wenn man durch ein komplettes, historisches Dorf spazieren geht und jedes Haus betreten und jeden Winkel durchstöbern (naja, nahezu jeden Winkel) darf. Kein Auto, kein Trecker. Nur alte Häuser, Feldwege und Tiere. Und auch wenn das Freilichtmuseum Vogtsbauernhof nicht das größte oder geschichtlich auch nicht das identischste ist, so erscheint es mir zur Zeit doch das schönste zu sein. Noch nie konnte ich in einem Freilichtmuseum wirklich nahezu in jede Stube hinein. Die wenigsten Räume sind abgesperrt, fast alles kann man besichtigen und "erfassen". Zeitgeschichte, wie man sie näher nicht erleben kann. Und - genau wie z. B. "Molfsee" ist einiges in Betrieb, so auch eine alte Backstube. Warmes, ofenfrisches Brot mit Butter und Kräutern. Da kommt kein fünf Sterne Restaurant gegen an ...
Es ist kurz vor drei und es fängt an zu regnen. Da ich die Tour durchs Museum eh gerade beenden konnte, ziehe ich mir schnell die Regensachen an und stelle im Navi den Weg zum Hotel ein.

Weitere Infos siehe http://www.vogtsbauernhof.de/

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Dorotheenhütte Wolfach
Auf dem Rückweg zum Hotel hört es auf zu regnen. Und während ich mir so die Gegend rechts und links vom Mittelstreifen ansehe, entdecke ich auf einmal den Schriftzug "Glasmuseum" und links davon "Dorotheenhütte". Prima! Nicht nur, dass es aufgehört hat zu regnen, ich komme auch noch ganz zufällig an dem zweiten Ziel des Tages vorbei, welches ich eigentlich auf Grund des Regens ausfallen lassen wollte. Doch es regnet nicht mehr, als flux den Blinker gesetzt und geparkt. Doch ab nun wird der Tag unschön ...
Denn da wäre zum ersten die Tatsache, dass es inzwischen 15 Uhr ist und das Glasmuseum nur bis 16.30 Uhr geöffnet hat. Wenn ich mir jetzt noch eine Karte kaufe, die Sachen verstaue, dann bleibt zu wenig Zeit, um sich das Museum auch noch in Ruhe an zu sehen. Da lohnt sich das Eintrittsgeld nicht für, Schade.
Also hüpfe ich nur schnell in den Shop um mir wenigstens ein paar der Glasobjekte an zu sehen, die dort hergstellt werden. Alles nicht ganz günstig, aber durchaus sehr schön. Und wenn ich nicht mit dem Motorrad vor Ort gewesen wäre, wäre auch zu mindestens eine Glasschale mit nach Hause gekommen. Doch so konnte ich mir die knapp 70 Euro für die (nach dem Transport) Glasscherben auch sparen.
Es ist kurz nach drei, dann bleibt noch Zeit für die größte Kuckucksuhr der Welt in Triberg. Das kann ich mir auf Grund der gesparten Zeit durch die nicht besuchte Dorotheenhütte gönnen.

Weitere Infos siehe http://www.dorotheenhuette.info/

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Triberg - die größte Kuckucksuhr der Welt
Noch in der Dorotheenhütte ziehe ich die Regensachen aus, denn es regnet ja nicht mehr. Und noch auf der Fahrt nach Triberg komme ich in einen - wie man im Wetterbericht sagen würden - einen ergiebigen Schauer. Einen sehr, sehr, wirklich sehr ergiebigen Schauer. Innerhalb von ein, zwei Minuten bin ich nass - trotz Motorradsachen.
Und nirgendwo eine Tankstelle oder ähnliches, wo ich mir die Regensachen wieder anziehen könnte. Aber eigentlich ist es ja eh schon zu spät.
Auf einer Bergpassage komme ich an ein Haus, welches unverkennbar eine sehr große Uhr zeigt, dass muss das Haus sein. Ich sehe zwar keinen Kuckuck, aber halte trotzdem an und mache schnell ein Foto, bevor die Kamera einen Wasserschaden bekommt.
Ich bewege mich zum Eingang und sehe dort ein Schild: "Sehr geehrtere Kunde. Heute haben wir für sie ... geschlossen!" F*CK!
Im Nachhinein stellt sich heraus, dass es eh das falsche Hause war und die Uhr zwar groß (größer als die Kuckucksuhr), jedoch eben kein Kuckuck.
Was soll es. Ich bin schon fast durchnässt, also jetzt aber endgültig Richtung Hotel. Ich bin nass, es gibt nichts mehr zu sehen, für heute habe ich die Nase und den Anzug voll.
Auf dem Rückweg komme ich in einen Stau und weit und breit keine Tankstelle zu sehen, auf der ich mir wieder meine Regensachen anziehen könnte. Und so werde ich erneut nass. Der Stau eilt einer Schnecke gleich voran und irgendwo kommt eine Bushaltestelle, die ich nutze um doch zu parken und mir wieder die Regensachen an zu ziehen. Es ist ein wenig schwer, die Regensachen über die nasse Motorradkleidung zu ziehen. Doch es lohnt sich. Denn gerade als ich fertig bin ... hört es auf zu regnen. Petrus und sein ganzes Gefolge, welches für das Wetter zuständig ist, soll sich heute besser nicht mehr bei mir sehen lassen, ansonsten könnte es sein, dass ich meine für das Motorradfahren vorgesehene Fußbekleidung in den rückwärtigen Verdauungsteil eben jenes Heiligen appliziere, der mir vor die Füße kommt.
Ich qäule mich also in nun nicht mehr nötigen Regensachen zurück ins Hotel und werde somit von innen nass, denn die Sonne kommt heraus, trocknet die Straße ab und bringt mich unter den Regensachen ins schwitzen. Trotzdem ziehe ich diese nicht aus, wohl wissend, dass sobald ich das tue und die Sachen wieder in den Koffern verstaut habe, es wieder anfangen wird zu regnen.
Also lasse ich die Sachen an und - selbstverständlich - regnet es bis zum Hotel nicht mehr.
Das Abendessen wird mich hoffentlich entschädigen. Die Motorradbekleidung hänge ich zum Trocknen auf den Balkon auf. Ganz oben unter dem Walmdach ist genügend Schutz und Luft gleichzeitig, dass die Sachen für den morgigen Einsatz wieder trocken sind.
Was soll ich sagen ... noch während des Essens sehe ich raus und stelle fest, dass es regnet. So stark, dass ich - böse Dinge ahnend - ins Zimme stürme und sehen kann, dass die gerade getrockneten Sachen durch Regen und Sturm UNTER DEM WALMDACH erneut nass geworden sind.
Beim nächsten Kirchenbesuch ist Petrus mein Stiefel gewiss ...

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Es sollte ja ein Beauty-Day werden und man sagt ja "Regen macht schön". Entsprechend muss ich heute sehr viel für meine Beauty getan haben. Daher werde ich mich jetzt auf mein Zimmer verziehen und vor dem Fernseher den Rest der Chipstüten vernichten. Wahre Schönheit kommt eben doch von innen ...

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